Das Gesetz über kritische Rohstoffe und das Kreislaufwirtschaftsgesetz: Was ändert sich für diejenigen, die Solarmodule, Kabel und Elektro- und Elektronik-Altgeräte recyceln? Stokkermills Analyse der Qualität von recycelten Materialien.

Kritische Sekundärrohstoffe: EU-Rechtsvorschriften | Stokkermill

Das Gesetz über kritische Rohstoffe und das Kreislaufwirtschaftsgesetz: Was ändert sich für diejenigen, die Solarmodule, Kabel und Elektro- und Elektronik-Altgeräte recyceln? Stokkermills Analyse der Qualität von recycelten Materialien.
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Kritische Sekundärrohstoffe: Warum die EU-Regulierung jene Qualität zur Marktanforderung macht, für die wir seit Jahren stehen

Was sind kritische Rohstoffe, und warum hat die EU sie zu einer Priorität erklärt?

In den vergangenen zwei Jahren hat die Europäische Union Schritt für Schritt einen regulatorischen Rahmen für ein Thema geschaffen, das bis vor Kurzem hauptsächlich in technischen Branchenberichten behandelt wurde: kritische Rohstoffe.

Kupfer, Siliziummetall für die Photovoltaikindustrie, Seltene Erden und Lithium – ergänzt durch weitere strategisch und wirtschaftlich wichtige Materialien wie Silber – sind für die europäische Energie- und Digitalwende unverzichtbar. Gleichzeitig ist die EU in hohem Maße von Importen aus Drittländern abhängig, die häufig auf ein einziges Lieferland konzentriert sind.

Die Europäische Kommission beschreibt die Dimension dieser Herausforderung im Critical Raw Materials Act sehr deutlich: Die europäische Nachfrage nach Seltenen Erden könnte sich bis 2030 versechsfachen, die Nachfrage nach Lithium sogar verzwölffachen.

Vor diesem Hintergrund ist der Ausbau des Recyclings nicht mehr nur ein umweltpolitisches Ziel. Er wird zu einer Frage der Versorgungssicherheit, der industriellen Resilienz und der strategischen Autonomie Europas.

Der Critical Raw Materials Act: Der erste verbindliche Recyclingrichtwert und die ersten Qualitätsanforderungen

Die erste regulatorische Säule ist die Verordnung (EU) 2024/1252, der Critical Raw Materials Act, der am 23. Mai 2024 in Kraft getreten ist.

Die Verordnung legt klare Richtwerte für das Jahr 2030 fest:

  • Mindestens 10 % des jährlichen EU-Verbrauchs strategischer Rohstoffe sollen durch Gewinnung innerhalb der EU gedeckt werden;
  • Mindestens 40 % sollen innerhalb der EU verarbeitet werden;
  • Mindestens 25 % sollen aus Recycling stammen;
  • Nicht mehr als 65 % des jährlichen EU-Verbrauchs eines strategischen Rohstoffs sollen aus einem einzigen Drittland stammen.

Für Recyclingunternehmen ist jedoch nicht nur der Richtwert von 25 % von Bedeutung. Die Verordnung beginnt erstmals, nicht nur zu berücksichtigen, wie viel Material recycelt wird, sondern auch, was beim Recycling tatsächlich entsteht.

Sie führt erste verbindliche Informations- und Kennzeichnungspflichten zur Recyclingfähigkeit und zum Rezyklatanteil von Permanentmagneten ein. Der Anwendungsbereich ist zunächst begrenzt, doch das zugrunde liegende Prinzip ist eindeutig und dürfte künftig auf weitere Materialien und Produktgruppen ausgeweitet werden.

Die Verordnung unterstützt außerdem die weitergehende Entwicklung hin zum Ende der Abfalleigenschaft: den Übergang vom behandelten Abfall zu einem echten Sekundärrohstoff mit einem eigenen rechtlichen und kommerziellen Status.

Der Circular Economy Act: Ein Markt für Sekundärrohstoffe, nicht nur zusätzliche Recyclingkapazitäten

Die zweite regulatorische Säule wird im Laufe des Jahres 2026 erwartet. Die Europäische Kommission schloss die öffentliche Konsultation zum Circular Economy Act im November 2025 ab. Die Annahme der Initiative ist für dieses Jahr vorgesehen.

Das erklärte Ziel ist eindeutig: die Schaffung eines europäischen Binnenmarktes für Sekundärrohstoffe, die Erhöhung des Angebots an hochwertigen Recyclingmaterialien und vor allem die Förderung der Nachfrage nach diesen Materialien.

Dies stellt einen wichtigen Perspektivwechsel dar. Bisher konzentrierte sich die europäische Politik vor allem auf Unternehmen, die Abfälle sammeln und recyceln. Künftig wird sie sich verstärkt auch mit den Unternehmen befassen, die zurückgewonnene Materialien kaufen und einsetzen – und mit den Nachweisen, die erforderlich sind, um zu belegen, dass diese Materialien eine zuverlässige Alternative zu Primärrohstoffen darstellen.

Der Circular Economy Act soll außerdem die Überarbeitung der WEEE-Richtlinie über Elektro- und Elektronikaltgeräte umfassen. Die Europäische Kommission veröffentlichte im Juli 2025 ihre Bewertung der bestehenden Richtlinie und stellte dabei Verbesserungsbedarf bei Sammlung, Behandlung, Rückgewinnung kritischer Rohstoffe und Marktanreizen fest.

Diese Überarbeitung betrifft unmittelbar Unternehmen, die ausgediente Photovoltaikmodule, Leiterplatten, Elektrokabel und andere Elektroaltgeräte behandeln.

Was bedeutet das in der Praxis für Recycler von Photovoltaikmodulen, Kabeln und Elektroaltgeräten?

Aus betrieblicher Sicht ist die Richtung eindeutig: Recyclingunternehmen werden zunehmend erklären und nachweisen müssen, welche Materialien ihre Aufbereitungsanlagen tatsächlich erzeugen – und nicht nur, welche Ergebnisse unter idealen Testbedingungen theoretisch möglich wären.

Genau dieses Prinzip stand hinter einigen der meistgelesenen Beiträge, die wir in den vergangenen Monaten in unserem Blog veröffentlicht haben.

Als wir erläuterten, dass das Recycling von Photovoltaikmodulen nicht unmittelbar Silizium in Solarqualität erzeugt – weil dieser Reinheitsgrad eine Verarbeitung in einem Ofen bei etwa 2.000 °C und anschließend in einem Siemens-Reaktor bei etwa 1.100 °C erfordert –, haben wir bereits denselben Ansatz verfolgt.

Das tatsächliche Ergebnis der mechanischen Aufbereitung ist ein siliziumreiches Konzentrat. In den von uns mittels Röntgenfluoreszenzanalyse untersuchten Chargen lagen die Silberkonzentrationen zwischen 2.500 und 4.800 ppm.

Indem wir die tatsächliche Zusammensetzung des zurückgewonnenen Materials angeben, anstatt ausschließlich die kommerziell günstigste Interpretation darzustellen, wenden wir bereits die Logik an, die der europäische Rechtsrahmen nun zunehmend formalisiert.

Ein Punkt muss dabei deutlich hervorgehoben werden: Diese Werte stammen aus unseren Analysen bestimmter Chargen. Sie stellen keine allgemeingültigen Referenzwerte für die gesamte Branche dar.

Die Konzentration von Silber und anderen Edelmetallen kann je nach Modulhersteller, Produktionstechnologie und Herstellungsjahr erheblich variieren. Die aus einer bestimmten Charge tatsächlich rückgewinnbare Menge kann daher selbst für Unternehmen mit langjähriger Branchenerfahrung überraschend hoch oder niedrig ausfallen.

Dasselbe Vorsichtsprinzip gilt für Kupfergranulat aus dem Recycling von Elektrokabeln. Zwischen einer unter Laborbedingungen angegebenen Ausbeute und einem realen Ergebnis, das nach mehreren Dutzend Betriebsstunden mit heterogenem Aufgabematerial gemessen wird, kann ein erheblicher Unterschied bestehen.

Genau diese Art von Daten wird durch bestehende technische Regelwerke – darunter die CENELEC-Normenreihe EN 50625 für die Behandlung von Elektroaltgeräten – und durch künftige Maßnahmen im Rahmen des Circular Economy Act zunehmend wichtiger, überprüfbarer und zwischen Technologieanbietern vergleichbar.

Industrielle Ehrlichkeit ist nicht mehr nur Positionierung: Sie wird zur Marktanforderung

Eine Interpretation dieser regulatorischen Entwicklung überzeugt uns besonders.

Seit Jahren entscheiden wir uns dafür, reale Betriebsergebnisse anstelle von Katalogwerten zu veröffentlichen. Wir erklären offen die physikalischen Grenzen dessen, was eine Recyclinganlage erreichen kann, und nennen konkrete ppm-Werte und Prozentangaben, anstatt uns auf allgemeine Aussagen über „hohe Qualität“ zu beschränken.

Diese Entscheidung war zunächst Bestandteil unserer kommerziellen Positionierung. Wir bezeichnen sie als industrielle Ehrlichkeit.

Mit dem bereits geltenden Critical Raw Materials Act und dem bevorstehenden Circular Economy Act entwickelt sich diese Transparenz schrittweise von einem freiwilligen Wettbewerbsvorteil zu einer Voraussetzung für die Teilnahme am europäischen Markt für Sekundärrohstoffe.

Unternehmen, die ihre Prozesse und ihre Kommunikation bereits auf überprüfbaren Daten aufgebaut haben, starten aus einer stärkeren Position.

Wer seine Marktpositionierung hauptsächlich auf kommerzielle Versprechen stützt, wird früher oder später die Lücke zwischen den eigenen Aussagen und dem schließen müssen, was eine Zertifizierungsstelle, ein Industriekunde oder das europäische Recht nachvollziehbar überprüfen können soll.

Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass bei jeder neuen europäischen Recyclingvorschrift nicht nur gefragt werden sollte, was sie auf dem Papier verlangt. Entscheidend ist, welche Anforderungen sie in der Praxis an eine Anlage stellt, die an jedem Tag des Jahres reale und heterogene Materialien verarbeitet.

Wenn Sie im Recycling von Photovoltaikmodulen, Elektrokabeln oder Elektroaltgeräten tätig sind und sich darüber austauschen möchten, was diese Entwicklungen in der betrieblichen Praxis bedeuten, stehen wir gerne für ein technisches Gespräch zur Verfügung.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Critical Raw Materials Act?

Der Critical Raw Materials Act ist die Verordnung (EU) 2024/1252 und seit dem 23. Mai 2024 in Kraft. Er legt Richtwerte für 2030 zur Gewinnung, Verarbeitung und zum Recycling strategischer Rohstoffe sowie zur Diversifizierung der Importe fest. Darüber hinaus führt er erste verbindliche Informationsanforderungen zur Recyclingfähigkeit und zum Rezyklatanteil ein.

Was ist der Circular Economy Act, und wann tritt er in Kraft?

Der Circular Economy Act ist eine geplante EU-Gesetzgebungsinitiative, deren Annahme für 2026 vorgesehen ist. Er soll einen europäischen Binnenmarkt für Sekundärrohstoffe schaffen, das Angebot an hochwertigen Recyclingmaterialien erhöhen und deren Nachfrage fördern. Der konkrete Zeitpunkt des Inkrafttretens hängt von der endgültigen Rechtsform und dem Abschluss des europäischen Gesetzgebungsverfahrens ab. Die Initiative soll außerdem eine Überarbeitung der WEEE-Richtlinie umfassen.

Was sind kritische Sekundärrohstoffe?

Dabei handelt es sich um kritische Rohstoffe – darunter Kupfer, Siliziummetall, Seltene Erden und Lithium –, die durch Recyclingprozesse zurückgewonnen und nicht aus primären Quellen gewonnen werden. Durch Recycling können außerdem weitere strategisch und wirtschaftlich wichtige Materialien wie Silber zurückgewonnen werden.

Warum wird die Qualität von Recyclingmaterial zu einer regulatorischen und nicht mehr nur zu einer industriellen Frage?

Die EU verfolgt das Ziel, einen funktionsfähigen Markt für Recyclingmaterialien zu schaffen. Ohne messbare und überprüfbare Qualitätsstandards haben industrielle Abnehmer nur wenig Anlass, einen Sekundärrohstoff anstelle eines Primärrohstoffs einzusetzen.

Erzeugt das Recycling von Photovoltaikmodulen Silizium, das für neue Module wiederverwendet werden kann?

Nicht unmittelbar. Die mechanische Aufbereitung erzeugt kein Silizium in Solarqualität, das direkt für neue Photovoltaikzellen eingesetzt werden kann. Der erforderliche Reinheitsgrad setzt zusätzliche Hochtemperatur- und chemische Raffinationsprozesse voraus, darunter die Behandlung bei etwa 2.000 °C und die Reinigung in einem Siemens-Reaktor bei etwa 1.100 °C.

Das unmittelbare Ergebnis des Recyclings ist ein siliziumreiches Konzentrat. Sein derzeitiger wirtschaftlicher Wert hängt zu einem wesentlichen Teil vom enthaltenen Silber ab, das durch hydrometallurgische Verfahren zurückgewonnen werden kann.

31-07-2026