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Silizium kommt in der Natur nicht in reiner Form vor. Was existiert, ist Siliziumdioxid, also gewöhnlicher Sand – ein reichlich vorhandener und kostengünstiger Rohstoff.
Zur Herstellung von metallurgischem Silizium wird Siliziumdioxid in einem Lichtbogenofen bei etwa 2.000 °C reduziert. Um die Reinheit zu erreichen, die für Photovoltaikzellen erforderlich ist, folgt ein weiterer Raffinationsschritt in einem Siemens-Reaktor bei etwa 1.100 °C.
Das Silizium in einem Solarmodul ist nicht deshalb wertvoll, weil der Rohstoff knapp ist, sondern weil es die gesamte industrielle Energie und Prozesskette in sich trägt: extreme Temperaturen, kontrollierte Atmosphären und hochspezialisierte Anlagen. Dieser Kontext ist entscheidend, um zu verstehen, was Recycling leisten kann – und was nicht.

Kein aktuelles Recyclingverfahren für Photovoltaikmodule – mechanisch, thermisch (niedrig oder hoch), chemisch oder kombiniert – erzeugt Silizium in einer Reinheit, die für neue Solarmodule geeignet wäre.
Dies ist keine technologische Lücke, die durch neue Maschinen geschlossen werden kann, sondern eine physikalische Grenze. Die Reinheit von Solar-Grade-Silizium wird unter Bedingungen von 2.000 °C und 1.100 °C erzeugt – Bedingungen, die sich durch das Erweichen von Verkapselungen, das Trennen von Laminaten oder das Zerkleinern von Altmodulen nicht reproduzieren lassen.
Dasselbe gilt für Glas: Floatglas für neue PV-Module wird in speziellen Öfen aus hochreinen Primärrohstoffen hergestellt – nicht durch das Einschmelzen von Altglas aus Solarmodulen.
Jedes Unternehmen, das behauptet, Solar-Grade-Silizium oder modultaugliches Glas direkt aus einer Recyclinglinie zu gewinnen, verkauft eher eine Story als ein industrielles Ergebnis.
Das Ergebnis eines industriellen Recyclingprozesses für Solarmodule, wie ihn Stokkermill entwickelt, ist ein Siliziumkonzentrat: kristallines Silizium, begleitet von Silber aus den Busbars, Glasresten und Spuren anderer Metalle.
Dieses Material ist kein direkt einsetzbarer Rohstoff für neue Module, sondern eine konzentrierte Fraktion mit realem und messbarem Wert, die in nachgelagerte hydrometallurgische oder metallurgische Prozesse eingespeist wird.
Der wichtigste wirtschaftliche Treiber dieser Fraktion ist heute Silber. XRF-Analysen zeigen in typischen Prozessmaterialien Silbergehalte von 2.500 bis 4.800 ppm. Auf diesem Niveau ist die Rückgewinnung von Silber durch hydrometallurgische Verfahren der Hauptwerttreiber.
Zusätzliche Werte stammen aus Zinn, Kupfer und anderen Metallen in geringeren Mengen. Die Siliziummatrix selbst ist derzeit eher ein Trägermaterial als das Endprodukt.
Für Betreiber von Recyclinganlagen muss das Geschäftsmodell auf realen Output-Strömen basieren, nicht auf theoretischen Materialversprechen.
Die Verarbeitung dieses Konzentrats in hydrometallurgischen Partnerprozessen zur Rückgewinnung von Silber, Zinn und Kupfer ist heute die wichtigste wirtschaftliche Grundlage der nicht-eisenhaltigen Fraktionen.
Jedes Geschäftsmodell, das dem zurückgewonnenen Silizium einen hohen Wert als Rohstoff für neue Module zuschreibt, sollte kritisch geprüft werden.
Die zentrale Frage der Branche lautet: Wohin geht das Siliziumkonzentrat realistisch, und welchen Wert erzeugt es?
Heute sind die praktikabelsten Wege:
Forschung zur Aufbereitung von recyceltem Silizium bis hin zu Solar-Grade-Niveau ist zwar aktiv, aber der Energieaufwand zur Wiederherstellung dieser Reinheit ist derzeit wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig gegenüber der Produktion aus Primär-Silizium aus Siliziumdioxid.
Kurzfristig bleibt daher die hydrometallurgische Verwertung mit Fokus auf Silber die realistischste Option. Dort liegt der tatsächliche Wert. Und genau das liefert eine industrielle Recyclinglinie.
Auch bei Stokkermill basiert der Ansatz auf realen Prozessdaten und nicht auf marketinggetriebenen Annahmen.